Beschreibung der Restaurierungsarbeiten der Johann Adam Brandenstein Orgel in der Evangelisch Lutherischen Kirche zu Obereisenheim.

Frank Schüngel, Orgelbauer der Firma Jann Orgelbau GmbH

 

Als wir im August 2004 nach Obereisenheim kamen, um die Orgel abzubauen und in unsere Werkstatt nach Allkofen bei Regensburg zu bringen, präsentierte sich die Orgel als ein unter einer dicken Schicht aus Dreck und Mörtelresten verborgenener Schatz mit enormen historischen Wert.

 

Leider war das Instrument in einem völlig desolaten Zustand. Die Orgel war kaum noch spielbar und in ihrer Statik so beeinträchtigt, dass sie drohte einzustürzen. Im Laufe der Jahrhunderte ist das Instrument so oft umgebaut und verändert worden, dass es sich sehr weit vom Orginalzustand entfernt hat. Jeder Umbau der Orgel von ihrer ursprünglich klaren und einfachen barocken Struktur veränderte sie in eine unnötig komplizierte Anlage.

 

Während der Restaurierungsarbeiten kristallisierte sich immer mehr heraus, dass die Orgel von dem Orgelmacher Johann Adam Brandenstein aus Kitzingen im Jahr 1721 erbaut wurde. Die Orgel hatte neun Register im Manual und einen Subbass 16’ im Pedal. Im Jahr 1739 tauschte Johann Rudolph Voit, Orgelmacher zu Schweinfurt, die Quinte 11/3’ gegen einen Sesquialter aus. (Vermutlich eine Terz 1 3/5, weil die Quinte 3’ vorhanden war). Auch im Jahre 1752 führte Johann Rudolph Voit, zu dessen Werken die Orgel noch bis vor kurzem zugeordnet wurde, einige Arbeiten durch. Allerdings etwas umfangreicher. Er versetzte die Orgel an ihren heutigen Standort auf die Empore, tauschte das Quintatön 8’ gegen eine Gamba 8’ aus und baute eine neue Pedalwindlade mit einem zusätzlichen Posaunenbass (8’?) ein.

 

Dessen Sohn Johann Michael Voit führte 1770 nochmals einige kleiner Arbeiten durch. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle durchgeführten Arbeiten von guter handwerklicher Qualität und haben die Orgel sicherlich bereichert. Das änderte sich ab dem Jahr 1871. Damals wurde die Orgel durch Andreas Franz Dietmann grundlegend umgebaut. Es wurde ein freistehender Spieltisch mit Blick in die Kirche eingerichtet, die gesamte Orgel auf 50 cm hohe Stelzen gestellt und die Dispositon wurde romantisiert, d.h. viele barocke Register mussten neuen grundtönigeren weichen oder wurden dementsprechend umgebaut. Auch den Posaunenbass entfernte Dietmann und ersetzte ihn durch einen Violonbass 8’.

 

Die Umbauarbeiten der Orgelbaufirma Erich Bauer, Oberasbach, im Jahr 1959 führten zu einer enormen Verschlechterung des Instrumentes. Sicherlich in der guten Absicht, der Barockorgel klanglich wieder etwas näher zu kommen, wurden die Arbeiten insgesamt aus fehlender Erfahrung mit historischen Instrumenten und der wenig ausgereiften restaurierungspraxis der frühen Nachkriegsjahre, handwerklich mangelhaft durchgeführt.

 

Unsere Aufgabe war es nun, die Orgel von ihren Veränderungen zu befreien, die historische Substanz zu sichern und die fehlenden Teile und Register zu rekonstruieren. Im technischen Bereich waren dies die Restaurierung des Gehäuses mit der Wiederherstellung der Voluten am Untergehäuse, die Restaurierung der Windladen, der Windanlage, die Rückführung der Wellenbretter, die Rekonstruktion der Register-und Spielmechanik und letztlich die Rekonstruktion der Spielanlage mit Pedal-und Manualklaviatur.

 

Im klanglichen Bereich war dies die Restaurierung des gesamten Holz- und Metallpfeifenwerkes, speziell das Wiederanlängen der Gamba 8’, die als Choralbass 4’ im Pedal stand. Weiter die Rekonstruktion der Quint 3’ und des Posaunenbasses 8’.

 

Da keine weitere erhaltene Johann Adam Brandenstein-Orgel existiert, wurden zwei noch erhaltene Orgeln seines Sohnes Johann Conrad Brandenstein, der in Stadtamhof bei Regensburg tätig war, als Vorbild herangezogen. Dies sind die beiden Orgeln im Kloster Weltenburg an der Donau und in der Wallfahrtskirche St. Ottilien zu Hellring bei Kelheim/Niederbayern.

 

Die Obereisenheimer Barockorgel kann daher als die einzige noch erhaltene Orgel des Orgelmachers Johann Adam Brandenstein bezeichnet werden. Wir wünschen der Kirchengemeinde zu Obereisenheim viel Freude mit der restaurierten Orgel. Möge sie noch lange Jahre in Gottesdiensten und Konzerten zur Ehre Gottes erklingen.

 

Regensburg, im April 2005

Konzerte 2018

 

Sonntag, den 23.9. um 11:00 Uhr

Sonntag, den 28.10. um 17 Uhr

Sonntag, den 11.11. um 17 Uhr

Sonntag, den 2.12. um 17 Uhr

Immer mit frischem Atem:

 

Damit der Klang der Obereisenheimer Orgel schön entspannt bleibt, wird in allen Konzerten ohne Motor gespielt.

 

Der Balg wird in allen Konzerte von einem Kalkanten getreten.


Nach jedem Konzert sind Sie herzlich zu einer Bewirtung in angenehm warmen Räumlichkeiten im Gemeindehaus eingeladen!

 

Die Kirche wird für die Konzerte auf angenehme 12 Grad geheizt!

Fotos: © Marion Beck-Winkler

Eine Konzertreihe der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Obereisenheim >>